Montag, 2. Juli 2018
Der Mensch denkt und Gott lenkt
Meine neue Wohnung im schönen Stadtteil Unterbach nahe an einem bekannten See entpuppte sich als ein wahrer Glücksgriff. Das Vermieterehepaar im Erdgeschoß erwies sich als als ausgesprochen freundlich und vertrauensvoll, kontrollierte mich aber nicht. Meine möblierte Wohnung im ersten Stock war gut geschnitten und vollkommen ausreichend für meine Bedürfnisse. Über mir im Dachgeschoß wohnte noch ein ehemaliger Kapitän, den ich aber nie zu Gesicht bekam.
Also man hätte wirklich denken können, dass es jemand wirklich gut mir gemeint hatte. Aber natürlich kam mir dieser Gedanke nicht. Trotz der ungewöhnlichen Begleitumstände sortierte ich es unter "Glück gehabt!" ein.
Eigentlich hätte ich nun recht zufrieden sein können. In meinem Studium war ich schon weit vorangeschritten. Mitte des kommenden Jahres wollte ich meine Diplomarbeit anmelden. Und danach würde ich irgendwo in einer sozialen Einrichtung in Düsseldorf eine Anerkennungsjahr verrichten. So der grobe Plan. Aber wie heißt es so schön: Der Mensch denkt, und Gott lenkt!
Ich hatte während meines Studiums sehr intensiv Turnierschach gespielt, und da durchaus gewisse Erfolge zu verzeichnen gehabt. Zwischenzeitlich hatte ich sogar mal überlegt, ob ich es nicht vielleicht zu meinem Beruf machen sollte. Aber da hätte es mehr Ehrgeiz, Fleiß und Disziplin erfordert, und so hatte ich diesen Gedanken abgehakt.
Im Grunde war ich der ganzen Sache auch schon überdrüssig geworden, als ich gegen jemanden eine Partie verlor, der im Grunde genommen hätte chancenlos sein müssen. Aber er spielte gut und vermasselte mir dadurch den Turniersieg.
Ich hatte vorher schon einige Male ans Aufhören gedacht, aber nun war der Punkt für mich erreicht, es auch zu tun. Ich meldete mich aus meinem Verein ab und nahm auch an keinen sonstigen Turnieren mehr teil.
Heute denke ich, dass diese unerwartete Niederlage kein Zufall war. Die durch sie ausgelöste Reaktion gehörte - so jedenfalls sehe ich das - zu einem größeren Plan. Ein Weg war an sein Ende gekommen.
Fast zeitgleich war eine "Werther-Geschichte", die ich hier nicht näher erläutern möchte, an ihr Ende gekommen. Vielleicht war ich ihr gegenüber zu zögerlich gewesen, hatte zu viel Respekt vor einer de forma bestehende Beziehung gehabt ... den richtigen Zeitpunkt verpasst!?
Nun, jedenfalls hatten sich unsere Wege umständehalber getrennt. Und an der Sache hatte ich wirklich etwas zu kauen. Ob ich jemals wieder so einen Menschen treffen würde, mit dem ich mich so gut verstehen würde?
Ich war also in keiner guten Stimmung, als der Sylvesterabend 1984 kam. Gegen Mitternacht saß ich in meinem Sessel zuhause und hörte das Zischen uns Knallen der Feuerwerkskörper. Und im Sekundentakt wurde meine Stube immer wieder erhellt. Aber ich war zu tief in meine eigene Gedankenwelt eingetaucht, um davon groß etwas mitzubekommen.
Als dann draußen wieder Ruhe einkehrte, stand meine Entscheidung fest: Ich werde mir eine Auszeit nehmen und einmal gründlich über mein Leben nachdenken
Vorheriger Abschnitt: Wenn im Zufall die Fügung erkennbar wird
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