Mittwoch, 24. März 2021

Wenn eine zufällige Begegnung zu einer schicksalhaften Fügung wird

 

Mein persönliches Schicksalsjahr 1985 begann eigentlich recht undramatisch. Ich zog mich eine Zeitlang zum Lesen und Nachdenken in meine eigenen vier Wände zurück, ohne dass mich dies gefühlt irgendwie groß weitergebracht hätte.

Nach etwa vier Wochen beendete ich meine Auszeit. Sie hatte zwar  zu keinem großartigen  Ergebnis geführt, aber ich wusste nun, dass ich mich keineswegs - so ohne Weiteres - mit einem normalen, langweiligen Leben zufrieden geben wollte. Ich werde mich jetzt neu ins Leben verstricken und vielleicht kommt mir ja der Zufall zu Hilfe!, ermutigte ich mich selber.

Es ist wirklich seltsam, dass ich da insgeheim auf einen zu Hilfe kommenden Zufall hoffte. Denn genaugenommen hoffte ich ja auf so etwas wie eine schicksalhafte Fügung, ohne aber bewusst religiös oder spirituell gläubig zu sein. 

    Vielleicht lag es daran, dass in meinem Leben es schon einige recht merkwürdige Ereignisse gegeben hatte, die zu unwahrscheinlich und zugleich zielführend waren, als dass ich sie mir mit dem berühmten Zufall hätte abtun können oder wollen.       
   Instinktiv hatte ich jedes Mal gespürt, dass da mehr dahintersteckte. Hatte mich dann damit aber nicht weiter beschäftigt.

Und nun, etwa eine Woche nach meiner Auszeit, geschah etwas Seltsames: 

Entgegen meiner sonstigen Gepflogenheit,  war ich zu Fuß ohne mein Fahrrad unterwegs. Ich hatte mich noch nicht allzu weit von meiner Wohnung entfernt, als ich an einem  kleinen „Hexenhäuschen“ vorbeikam, welches schon einige Male im Vorbeifahren mein Interesse erregt hatte.
    Ich blieb an der Gartenpforte stehen und blickte durch den  verwilderten Vorgarten hinüber zu dem Häuschen mit dem leicht windschiefem Dach. Eine schwarze Katze schaute mich fragend an, drehte um und verschwand dann unter einem großen Nadelbaum.
    Gerade wollte ich schon wieder losgehen, als mein Blick auf das kleine Namenschild am Zaun fiel:
M.Borke.

Ich stutzte, denn ich hatte einige Jahre zuvor  mit einem Michael Borke an einer Hochschulmeisterschaft im Schach teilgenommen. Wohnt der vielleicht hier? Das wäre ja ein Ding! Da wären wir ja quasi seit fast einem Jahr „Nachbarn“, ohne etwas davon gemerkt zu haben.

Das Vernünftigste wäre jetzt eigentlich gewesen, direkt zu schellen und die Sache zu klären. Das tat ich dann aber nicht. Sondern ich beschloss die Sache dem Zufall – oder vielleicht dem Schicksal – zu überlassen. 

Eine Woche später, an einem regnerischen Wintertag, stieg ich in einen Bus in Richtung Innenstadt. Wie es der Zufall - oder das Schicksal – so wollte, stieg an der nächsten Haltestelle Michael Borke ein, ohne mich allerdings wahrzunehmen. Erst als ich aufstand und zu ihm hinging, erkannte er mich.
    Er schien sehr erstaunt über unserer Wiedersehen und erzählte mir, dass er normalerweise immer mit dem Rad unterwegs wäre. „Das ist hier eine absolute Ausnahme. Mein Fahrrad ist defekt und ich muss wegen eines Ersatzteils in die Stadt“. "Ja," entgegnete ich, "eigentlich bin ich auch ein überzeugter Fahrradfahrer. Aber bei diesem Sauwetter hatte ich einfach keine Lust auf`s Rad!"

Wie sich herausstellte, wohnte er tatsächlich in jenem kleinen Hexenhäuschen. Und als er erfuhr, dass ich ganz in seiner Nähe wohnte, lud er mich ein ihn doch einmal besuchen zu kommen.

So weit, so gut! Sicherlich ein sonderbarer Zufall, aber schon ausreichend, um von einer schicksalhaften Fügung ausgehen zu können? Gehört da nicht noch ein bisschen mehr dazu? Zum Beispiel eine den bisherigen Lebenslauf verändernde Wirkung?

    Ja, durchaus! Und diese Wirkung war hier auch gegeben. Mein anschließender Besuch bei Michael, einem Esoteriker, blieb nicht folgenlos:  
Natürlich verstand ich nicht Alles, was er mir an diesem Abend erzählte. Aber meine Neugier und mein Interesse waren geweckt. Konnte es nicht sein, dass die Sterne unseren Charakter und unser Schicksal tatsächlich beeinflussten? Und man dem Rat der Tarotkarten bei Lebensfragen und Entscheidungen vielleicht vertrauen konnte? 
   Und warum sollten wir nicht Seelen sein, die immer wieder neu in andere Körper hineingeboren wurden und sich neu zu bewähren hatten?

Von jenem Tage an, begann ich mich selber mit esoterischen Dingen literarisch zu beschäftigen und sie auch schon ein wenig zu praktizieren. Ein neuer Weg hatte seinen Anfang genommen.

Gedankenimpuls:

Jedem neuen Anfang wohnt angeblich ein Zauber inne. Aber garantiert er auch ein glückliches Ende?
   Wenn ich damals geahnt hätte, wohin mich dieser neue Weg noch führen würde, hätte ich ihn sicherlich schleunigst wieder verlassen. So aber nahm das Schicksal seinen Lauf!

   

 

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